9. September 2016

Dauner Kaffeerösterei: Ehrliche Produkte als Schlüssel zum Erfolg

Hessin und Rheinländer werden zum Markenzeichen für die Eifel

„Schuld“ war das Wochenendhaus, das der Großvater von Hansdieter Richarz-Hilberg in der Eifel gebaut hatte. Die Kindheitserinnerung an unberührte Natur und ‚zu Hause fühlen‘ hat den gelernten Lebensmitteltechnologen nie verlassen. Als EDV-Abteilungsleiter eines amerikanischen Pharmaunternehmens im Raum Frankfurt lernte er in der Firma seine Frau Heike kennen, die dort für das Marketing verantwortlich zeichnete. Sie waren sich schnell einig: Raus aus der Großstadt, selbständig arbeiten und mit Kaffee den Lebensunterhalt bestreiten – das wurde zum gemeinsamen Traum. Und der wurde in Daun verwirklicht.

Vom Aromalädchen zur Kaffeerösterei

2004 zogen beide in das ererbte Haus des Großvaters und eröffneten die ‚Aroma Kaffee Bar und mehr‘ – noch heute sprechen viele vom ‚Aromalädchen’. Nach drei Monaten begannen sie, besondere Kaffees aus allen Tei­len der Welt auf traditionelle Art zu rösten. Dabei entwickelten sie eine Leiden­schaft für Kaffees von kleinen Plantagen aus ökologischem und nachhaltigem Anbau. Der Umzug in größere Räumlichkeiten war nur eine Frage der Zeit. Inzwischen ist die ‚Dauner Kaffeerösterei‘ fester Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen, für Gastronomen und Online-Kunden.

Hier findet jeder die perfekte Mischung für seinen Lieblingskaffee

Hier findet jeder die perfekte Mischung für seinen Lieblingskaffee

Am Anfang überwog die Skepsis

Viele waren sehr vorsichtig. Kaffee als sehr preissensitives Produkt musste sich als Qualitätsangebot erst einmal durchsetzen – vor allem in der Gastronomie und in Hotels, so das Ehepaar Hilberg. „Viele haben uns heute gesagt, dass sie uns damals keine sechs Monate gegeben haben. Aber die Menschen haben gespürt, dass da eine Leidenschaft gelebt wird. Und sie haben sich langsam Schritt für Schritt für neue Geschmackserlebnisse geöffnet.“ Der Kaffee kommt von kleinen Familienbetrieben aus Lateinamerika und Asien; er unterliegt besonderen Qualitätskriterien.  Viele Kunden kaufen den Kaffee, weil sie genau wissen, wo der herkommt.

Die Eifel war die richtige Wahl

Der Start war einfacher als in einer anonymen Metropole, stellten beide fest: „Auf der Verwaltung und in der Bank wurden wir namentlich angesprochen und dann haben uns alle ganz persönlich geholfen. Man kannte sich ja, weil alle auch unsere Kunden waren. Die wussten, alle, was hier passiert. Das Konzept war klar.“ Wie sehr sie schon mit ihrer neuen Heimat verwurzelt sind, zeigt auch die ‚Krimiröstung‘, die sie alle zwei Jahre zum ‚Tatort Eifel Festival‘ präsentieren – man kann inzwischen wählen aus  ‚Schwarzer Tod‘, ‚Mildernde Umstände‘ ‚Kurzer Prozess‘ oder ‚Schwache Nerven‘.

 

 

 

Qualitätskontrolle mit allen Sinnen

Qualitätskontrolle mit allen Sinnen

Die Seele kann man nicht klonen

Die aus Marburg stammende Heike Hilberg bringt es auf den Punkt: „Die Idee war immer Kaffee. Ich habe in Frankfurt gegenüber von einer kleinen Kaffeerösterei gewohnt und bin morgens durch den Duft geweckt worden. Wir wollten das nicht in einer Großstadt machen, sondern eine entspannte Plattform haben und ein Wachstum über die Jahre anstreben. Wir haben uns deshalb bewusst für Daun entschieden.“ Weitere Standorte passten nie in das Konzept, betont sie: „Die Seele der Dauner Kaffeerösterei sind unsere Herzen, das kann man nicht so einfach übertragen. Wir können uns nicht klonen und wollen keine Franchise-Modelle.“

 

 

Geduld haben und ehrlich sein

Der im Rheinland aufgewachsene Hansdieter Richarz-Hilberg zieht eine sehr positive Bilanz: „Der Schlüssel zum Erfolg war einfach: Wir sind, wie wir sind und verstellen uns nicht. Ehrlich, direkt, authentisch sein – das ist das Erfolgsmodell. Und genau das passt in diese Gegend und zu ihren Bewohnern. Es war absolut richtig, in die Eifel zu kommen. Man muss Geduld haben, sich treu bleiben und ehrliche Produkte anbieten. Dann wird man hier akzeptiert. Das dauert. Aber dann bleibt es auch.“ Der Netzwerkgedanke brauchte Zeit. Heute schenken Gastronomen den ‚Dauner‘ Kaffee aus und schicken ihre Gäste vorbei, um beim Rösten zuzusehen. Von diesem Geben und Nehmen profitieren alle.  Ein ganz besonderer Kunde ist ein ehemaliger Koch aus dem Kurfürstlichen Amtshaus, der sich inzwischen in Darmstadt selbständig gemacht hat und dort selbstverständlich ‚seinen Dauner Kaffee‘ anbietet.

Verbindungen rund um den Globus

Die vielen Reisen in die Anbaugebiete haben enge persönliche Bindungen entstehen lassen. Auf der Fazenda Passeio in Brasilien gibt es sogar ein spezielles Feld (talhão). Auf der  ” Talhão Chapadao / Dauner Kaffeerosterei” wird hochfeiner Arabica Yellow Bourbon angebaut, und die komplette Ernte geht nach Daun.

 

 

 

 

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Autor(in)

Klaus Schäfer

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