9. September 2016

Die Glockengießer-Tradition lebt auch nach fast 400 Jahren

Julius Mark setzt das Familienhandwerk in siebter Generation fort

„Festgemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt.“ Lange bevor Friedrich Schiller mit seinem Lied von der Glocke Ende des 18. Jahrhunderts ein altes Handwerk literarisch verewigte, hat man in der Eifel schon Glocken gegossen. Die Familie Mark geht diesem Kunsthandwerk schon seit 1620 nach, ist seit 1840 am Standort in Brockscheid und eine der wenigen Glockengießereien in Deutschland. Und es geht weiter.

 

DSC_1490Weltweit einzige Glockengießerin 

Der Stolz auf den Beruf und die Fortsetzung der Familientradition ist für den 25-jährigen Julius Mark ganz sicher eine starke Motivation, diese sehr vielseitige, aber auch körperlich sehr fordernde Arbeit auszuüben. Er übernimmt Schritt für Schritt immer mehr Tätigkeiten von seiner Mutter Cornelia Mark-Maas, die weltweit die einzige Frau in diesem Beruf ist und das Handwerk von Hans August Mark lernte, der den Betrieb in fünfter Generation führte.  Die Auftragslage ist gut und geliefert wird weltweit, natürlich vor allem in Regionen, wo noch Kirchen gebaut werden. Die Glockengießerei Mark hat Kunden in Brasilien, Sri Lanka oder auf den Philippinen, aber auch in Deutschland. Vor allem in den neuen Bundesländern – gerade werden Glocken für das katholische Eichsfeld in Thüringen gegossen. Der reine Formprozess ist bei dem in Deutschland geforderten traditionellen Lehmformverfahren –  das die Basis für einen ganz eigenen Glockenklang ist –  seit dem Mittelalter unverändert geblieben. Auch die einzelnen Arbeitsschritte haben sich bis auf einige technische Hilfsmittel wie Stapler oder Kräne kaum geändert.

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Siebte Generation am Start

Glocken gießen ist kein Job, sondern ein alter Beruf, der durch die traditionelle Weitergabe des Wissens von der einen an die andere Generation eigentlich noch mehr ist – eine handwerkliche Berufung. Und der Markt ist übersichtlich: Nach dem Krieg gab es rund 20 Glockengießerbetriebe in Deutschland, da die vorhandenen Stahlglocken wieder durch Bronzeglocken ersetzt wurden. Inzwischen gibt es bundesweit noch vier Betriebe, die auch schon seit Jahrhunderten im Familienbesitz sind. Jeder hat eine eigene Glockenform und man hört auch den Unterschied. „Unsere Glocken haben eine besonders lange Nachhallzeit und klingen sehr tief, wenn sie angeschlagen werden“, erklärt Julius Mark, dessen Weg schon früh klar war:  „Für mich hat sich die Frage der Berufswahl nie wirklich gestellt, vor allem, weil das Glockengießen bei uns in der Familie so eine lange Tradition hat.  Ich habe schon als Kind die Werkstatt und alle Produktionsprozesse kennen gelernt, mitgeholfen und meine Ausbildung hier absolviert. Aber ich bin da nicht gezwungen worden: Ich habe ja auch zwei Geschwister, die etwas ganz anderes machen. Mit liegt es, es hat mir immer Spaß gemacht und ich führe das gerne weiter.“

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Altes Handwerk mit Zukunft

Glocken gießen ist eine sehr aufwändige Handarbeit. Die seit Jahrhunderten fast unveränderte Produktion kann nicht durch vollautomatisierte Herstellungswege oder Billigimporte aus Fernost ersetzt werden. Aber der Markt ist begrenzt, denn die Glockengießerei ist in einer zunehmend säkularen Gesellschaft eine schrumpfende Branche. Immer mehr Kirchen werden geschlossen, und der Bedarf sinkt entsprechend. Vor 15 Jahren wurden in Brockscheid noch 100 Glocken im Jahr gegossen, heute sind es etwa 50.  Allerdings geht die Dienstleistung weit über die reine Produktion hinaus. Die Glocken werden aufgehängt und mit langfristigen Wartungsverträgen auch fachmännisch gepflegt. Deshalb gibt es einen großen Kundenstamm und neben der Arbeit in der Eifel auch immer wieder Termine vor Ort. Bei 850 Kirchengemeinden wir einmal jährlich ein ‚Glocken-TÜV‘ durchgeführt. Gelegentlich werden nach der Schließung einer Kirche mit einem schönen Geläut auch Glocken getauscht.

 

Ein Jahr vom Auftrag bis zum Glockenklang

„Die Herstellung einer Glockenform dauert etwa drei Monate, dann wird gegossen. Mit allen Planungsgesprächen und Vorbereitungen geht von der Bestellung bis zum ersten Läuten im Glockenturm schon ein Jahr ins Land“, erklärt der angehende Chef und liefert einige Fakten:  Eine Glocke, die eine Tonne wiegt, ist etwa einen Meter hoch, hat auch einen Meter Durchmesser und kostet abhängig von den Verzierungen, Bildern und Schriften etwa 15.000.- Euro. Der Gestaltung sind typographisch und visuell kaum Grenzen gesetzt – Stadtwappen, Texte oder  Heiligenbilder werden auf Wunsch der Kunden entworfen und hergestellt.  Das will immer gut überlegt sein, schließlich ist eine Glocke etwas für die Ewigkeit. 85 bis 90 Prozent der Kunden sind kirchliche Auftraggeber, es wird aber auch für Rathäuser, Friedhöfe oder Privatgebäude produziert. Julius Mark ist da ganz offen: „Überall, wo ein Türmchen ist, kann auch eine Glocke rein.“

DSC_1451Klares Bekenntnis zum Standort Eifel

Der Betrieb ist fest verwurzelt in der Region. Die zwölf  Mitarbeiter kommen aus dem Ort oder der Umgebung und arbeiten teilweise schon in der zweiten Generation in der Glockengießerei. Der Nachwuchs wird nach Bedarf selbst ausgebildet. Aber die Familie ist nicht zufällig vor über 175 Jahren in der Vulkaneifel gelandet. Julius Mark: „Viele unserer Produkte kommen ja auch von hier: Lehm ist vom Feld, der Mist aus den Ställen der Umgebung, Holz wird hier geschlagen –  die Eifel gibt uns sehr viele Ressourcen, die wir brauchen. Das war auch einer der Gründe, warum meine Familie hier 1840 sesshaft wurde. Ich bin durch die Wartungsarbeiten sehr viel unterwegs, lerne interessante Orte kennen und bin doch immer wieder froh, wenn ich hinter Trier oder Mayen wieder in die vertraute Eifellandschaft komme. Die Umgebung und der Beruf passen hier hundertprozentig zusammen.“

 

 

 

 

 

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